1. Einführung und Definition
1fe-LSD (Arbeitsbezeichnung; chemisch vermutlich 1-(1-Fluorethyl)-Lysergsäurediethylamid) ist ein neuartiges psychotropes Molekül aus der chemischen Klasse der Lysergamide. Es wird als Research Chemical (Forschungschemikalie) klassifiziert und dient primär als analytischer Standard sowie für In-vitro-Studien in der Neuropharmakologie.
Die Substanz trat 2024/2025 als Nachfolger von Verbindungen wie 1D-LSD und 1S-LSD auf den Markt, um Forschern eine legale Alternative zu bieten, die nicht unter die aktuellen Restriktionen des deutschen Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (NpSG) fällt. Wie seine Vorgänger wird 1fe-LSD als Prodrug von LSD-25 diskutiert.
2. Chemisches Profil und Struktur
Das Grundgerüst von 1fe-LSD basiert auf dem Ergolin-Ringsystem, welches charakteristisch für alle Lysergsäure-Derivate ist. Der entscheidende Unterschied zu klassischem LSD (LSD-25) liegt in der Substitution am Indol-Stickstoff (Position N1).
Die "1-fe" Modifikation
Während frühere Analoga wie 1P-LSD (Propionyl) oder 1cP-LSD (Cyclopropionyl) eine Carbonylgruppe (C=O) am N1-Atom nutzten, verwendet 1fe-LSD laut vorliegenden Daten eine 1-Fluorethyl-Gruppe (−CH(F)−CH3).
Diese Einführung eines Fluoratoms in die Seitenkette ist chemisch raffiniert:
- Stabilität: Fluor-Kohlenstoff-Bindungen sind sehr stark, können aber die elektronischen Eigenschaften des Moleküls so verändern, dass es metabolisch anders verarbeitet wird.
- Rechtliche Umgehung: Da das NpSG oft spezifische funktionelle Gruppen (wie bestimmte Carbonyle) verbietet, fällt eine Fluorethyl-Gruppe (Alkyl-Derivat) oft nicht unter die bestehenden Definitionen der verbotenen Substanzklassen.
3. Pharmakologie und Wirkmechanismus
Wissenschaftlich wird angenommen, dass 1fe-LSD selbst eine geringe Affinität zu den 5-HT-Rezeptoren besitzt, jedoch im menschlichen Organismus (in vivo) zu aktivem LSD metabolisiert wird.
Im Gegensatz zu einfachen Acyl-Gruppen (wie bei 1P-LSD), die durch Esterasen im Blut schnell abgespalten werden, könnte der Metabolismus der Fluorethyl-Gruppe komplexer sein und oxidative Prozesse (z.B. durch Cytochrom-P450-Enzyme) in der Leber erfordern. Dies würde die Pharmakokinetik beeinflussen.
Pharmakokinetik (Onset & Dauer)
Aufgrund der Prodrug-Natur unterscheidet sich das pharmakokinetische Profil leicht vom klassischen LSD:
- Anfluten (Onset): Möglicherweise verzögert, da der Körper die Substanz erst umwandeln muss.
- Wirkdauer: Analog zu anderen Lysergamiden, geschätzt auf 8–12 Stunden.
- Potenz: Da die angehängte Gruppe das Molekulargewicht erhöht, ist 1fe-LSD pro Gewichtseinheit (molare Masse) etwas weniger potent als reines LSD. Forscher müssen dies bei der Dosierung berücksichtigen.
4. Vergleichende Analyse
Um die Positionierung von 1fe-LSD zu verstehen, ist ein Vergleich mit seinen direkten Vorgängern essenziell.
| Merkmal | 1fe-LSD (NEU) | 1S-LSD (Vorgänger) | 1D-LSD (Älter) |
|---|---|---|---|
| Substitution R1 | 1-Fluorethyl | Silyl-Carbonyl | Dimethylcyclobutan |
| Chemische Natur | Halogeniertes Alkyl | Silizium-organisch | Zyklischer Kohlenwasserstoff |
| Rechtlicher Status (DE) | LEGAL / RC | Verboten / NpSG | Verboten / NpSG |
| Metabolismus | Komplex (oxidativ?) | Hydrolyse (schnell) | Hydrolyse (mittel) |
Wichtige Notiz: Während 1S-LSD und 1D-LSD ähnliche Mechanismen nutzten, stellt die Einführung eines Fluor-Atoms bei 1fe-LSD einen neuen chemischen Ansatz dar, um die Grenzen der Gesetzgebung wissenschaftlich auszuloten.
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5. Rechtlicher Status und NpSG
Der Status von Research Chemicals in Deutschland wird primär durch das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) geregelt. Dieses Gesetz verbietet ganze Stoffgruppen basierend auf ihrer chemischen Grundstruktur.
- Status Quo: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung fällt die spezifische 1-Fluorethyl-Substitution am Indol-Stickstoff nicht unter die Definitionen der zuletzt aktualisierten Anlage des NpSG. Die meisten Verbote zielen auf Carbonyl-Verknüpfungen (Amide) ab.
- Konsequenz: 1fe-LSD ist aktuell in Deutschland legal zu Forschungszwecken erwerbbar, solange es nicht zu Konsumzwecken missbraucht wird.
- Zukunftsaussicht: Der Gesetzgeber passt das NpSG regelmäßig an. 1fe-LSD ist eine "temporäre Lösung" bis zur nächsten Gesetzesnovelle.
6. Sicherheitshinweise für Forscher
Da es sich bei 1fe-LSD um eine kaum erforschte Substanz handelt, gelten strenge Laborstandards:
- Kein menschlicher Verzehr: Die Substanz ist nicht für die Anwendung am Menschen oder Tieren zugelassen.
- Lagerung: Dunkel, kühl (am besten < -20°C für Langzeitlagerung) und unter Ausschluss von Feuchtigkeit, um eine Degradation der Fluorethyl-Gruppe zu verhindern.
- Handling: Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) wie Handschuhen und Schutzbrille ist obligatorisch, um dermale Absorption zu vermeiden.
7. Fazit
1fe-LSD markiert den neuesten evolutionären Schritt in der Chemie der halbsynthetischen Lysergamide. Durch die Implementierung einer Fluorethyl-Gruppe gelang es Chemikern, ein Molekül zu designen, das voraussichtlich das klassische pharmakologische Profil von LSD beibehält, dabei aber (vorübergehend) außerhalb der restriktiven Verbotslisten operiert. Für die neurochemische Forschung bietet dies eine wertvolle Möglichkeit, rezeptorische Interaktionen und metabolische Abbauwege neuer Substituenten zu studieren.
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